[ Galerie ]
5. Schnittstellenkonferenz
 

Thema: All different - all equal?!
Zur Rolle des Sports in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus  

    9. November 2006
   Frankfurt / Main
 
  

Tagungsbericht

Am 9. November fand die Fünfte Schnittstellenkonferenz Sport(pädagogik) - Jugendhilfe zu dem Thema "Zur Rolle des Sports in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus" in Frankfurt am Main statt. Die Schnittstellenkonferenz, die sich an Mitarbeiter/innen aus dem Sport und aus der Jugendhilfe richtet, wurde veranstaltet von der Deutschen Sportjugend, der Sportjugend Hessen, der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj und Camino gGmbH, Berlin. Die Aktualität der angesprochenen Thematik zeigt sich u.a. daran, dass über 80 Teilnehmer/innen aus ganz Deutschland und aus unterschiedlichen Bereichen - z.B. aus Sportjugenden, Landessportbünden, Fanprojekten, Jugendämtern, antirassistischen Initiativen, DFB und DFL - aufeinander trafen und sich lebhafte Diskussionen entwickelten, wie die Entwicklung von rassistisch motivierten und rechtsextremen Handlungen und Verhaltensweisen in Sport und Jugendhilfe zu beurteilen sei und wie ihnen begegnet werden könne.

Prof. Dr. Albert Scherr von der Pädagogischen Hochschule Freiburg führte in das Thema ein und zeigte auf, welche Erscheinungsformen von Rassismus und Chauvinismus im Sport auffällig sind, und stellte die These auf, dass der Sport nicht nur der Spiegel, sondern das "Sprachrohr" der Gesellschaft sei. Vor diesem Hintergrund forderte er die Idee einer neuen Sportkultur ein, die die vorhandenen Gegentendenzen im Sport aufnehmen solle. Nötig dafür sei eine verstärkte Bildungsarbeit auf Basisebene. Ulrich Brüggemann vom Deutschen Jugendinstitut Halle-Leipzig berichtete sodann über die Erfahrungen mit sport- und erlebnispädagogischen Ansätzen in den Bundesprogrammen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Deutlich wurde, dass zum einen Sportangebote nur ein singulärer Bestandteil von Projekten gegen rechts sein können und dass es zum anderen von hoher Bedeutung ist, auch im Rahmen von Verbandstrukturen das Thema offensiv anzugehen, um sinnvolle Synergieeffekte zwischen Sport und Jugendarbeit zu erreichen.

Am Nachmittag wurden in Arbeitsgruppen unterschiedliche Aspekte des Themas weiter vertieft. Angelika Ribler (Sportjugend Hessen) stellte anhand ihres Projektes "Interkulturelle Konfliktvermittlung/Mediation im Fußball" die Frage, wie in Vereinen die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Problemen Rechtsextremismus und Rassismus befördert werden kann und welche Veränderungsprozesse damit ausgelöst werden. Bodo Berg (Faninitiative "Dem Ball is egal, wer ihn tritt") und Christian Kabs (Fanprojekt Dresden) stellten ihre Arbeit vor - z.B. eine CD-ROM, die sich in zeitgemäßer Ansprache an jugendliche Fußballfans richtet und somit antirassistische Aufklärungsarbeit ermöglicht, und Aktionen mit Dresdener Fans, die deutlich machten, dass "Rassismus kein Fangesang" ist. Esther Lehnert (Mobiles Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin) präsentierte den Lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, den die Stadt Potsdam seit 2002 umsetzt und der bewusst auch den Bereich Sport - Stadtsportbund, Vereine - einbezieht. Deutlich wurde, dass der Sport ein gutes Medium ist, um Jugendliche zu erreichen und zu aktivieren, dass er jedoch in ein ganzheitliches integriertes Handlungskonzept eingepasst werden muss. Sabine Diederich (Jugendbildungsstätte Anne Frank) berichtete von unterschiedlichen Aktivitäten und Angeboten der Bildungsstätte, die sich sowohl an "problematische" Jugendliche richten als auch an Jugendliche, die in ihrem Alltag mit rechten Cliquen konfrontiert sind und etwas dagegen unternehmen möchten.

Die abschließende Talkrunde bündelte die unterschiedlichen Aspekte, die im Laufe der Vorträge und Diskussionen aufgeworfen worden waren, und schlug den Bogen von dem "neuen Patriotismus" während der WM hin zu den nun erforderlichen Gegenstrategien, um Rechtsextremismus und Rassismus in den Stadien effektiv zu bekämpfen. Prof. Dr. Albert Scherr betonte, dass auch rechte Jugendliche sehr wohl durch pädagogische Ansätze erreichbar seien, und Prof. Dr. Gunter Pilz, der einige der Ergebnisse aus der aktuellen Studie "Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball" vorstellte, bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderung nach Fanprojekten und Qualifizierungen für Trainer, Schiedsrichter etc. in den unteren Ligen. Thematisiert wurde auch die Rolle von Sportvereinen für die Integration und diskutiert, inwieweit die Multikulturalität im "Verein um die Ecke" als eine natürliche Übung in Toleranz und Integration gesehen werden kann oder ob unter den Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen auch wieder neue Spannungen entstehen können.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus auch angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen - z.B. der Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen - sicherlich an Bedeutung zunehmen wird und dass sowohl Sport als auch Jugendhilfe gefragt sind, ihre Ressourcen und Potenziale in die Bemühungen um ein demokratisches Zusammenleben einzubringen.   

 
Vorträge
  •  
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Rechtsextremismus: Sportorganisationen als Spiegelbild der Gesellschaft?
Prof. Dr. Albert Scherr, Pädagogische Hochschule Freiburg
Vortrag ((PP-Präsentation))


  •  
Rechtsextremismus und Rassismus in Vereinen und Organisationen:
Angelika Ribler, Sportjugend Hessen, Projekt "Interkulturelle Konfliktvermittlung/Mediation im Fußball"
Vortrag ((PP-Präsentation))

Projektvorstellungen
  •  

Rassismus im Fußballkontext
Dem Ball egal (PDF-Dokument)

Fanprojekt Dresden

  •  
Zur Bedeutung von Sportprojekten und Sportangeboten in Netzwerken gegen Rechts
Esther Lehnert, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR)
PPD-Dokument ( PP-Präsentation)    PDF-Dokument ((PDF-Dokument )
Bilder und Fotos von der Tagung
  •  
Visuelle Darstellung der 5. Schnittstellen-Konferenz mit Fotos und Schnappschüssen  
Fotogalerie
 

Veranstalter: [ Camino ] [ KOS ] [ DSJ ]